Autos fahren wieder über den Bahnhofplatz

Seit dem 6. April 2008, 5 Uhr, ist der Bahnhofplatz Bern wieder für den motorisierten Individualverkehr geöffnet. Mit den ersten Eindrücken der Fahrt über den Bahnhofplatz nimmt das Autofahrerblog seine Tätigkeit auf.

Bei der Anfahrt vom Bollwerk her gleite ich auf dem neuen Teerbelag leicht dahin, nur gebremst von den immer noch gerne rot leuchtenden Lichtsignalen. Die Rechtskurve vor den Haupteingang des Bahnhofs ist schärfer als früher. Die Markierungen auf der Strasse fehlen noch weitgehend, so dass ich mich nur an den wenigen Pflastersteinen in den Strassenmitte orientieren kann. Die Strasse führt parallel zum Bahnhofsgebäude über einen gigantischen Fussgängerstreifen, gefolgt von einer Linkskurve, die direkt vom Bahnhofsgebäude weg führt. Noch immer fahre ich auf der linken Spur. Die rechte Spur ist für Velos und den Bus reserviert, jedoch noch nicht als solche gekennzeichnet. Auf der Strasse befinden sich Bauarbeiter und Bernmobil-Mitarbeiter, welche Markierungen aufmalen. Nach dem erneuten Rotlicht folgt die letzte Rechtskurve, mit der ich den Bahnhofplatz Richtung Hirschengraben verlasse.

Bahnhofplatz-Durchfahrt

Ich biege Richtung Länggasse und gleich wieder zur Schanzenpost ab. Hier ist die Zu- und Wegfahrt wieder gleich geregelt wie früher. Plötzlich kommt mir ein Auto entgegen, in falscher Richtung aus der Einbahnstrasse. Alle scheinen es also noch nicht gemerkt zu haben. Ich biege aus der Schanzenpost-Wegfahrt wieder nach links ab, und fahre erneut auf den Bahnhofplatz zu. Auch aus dieser Richtung ist die rechte Spur Velos und Bussen vorbehalten, jedoch noch nicht so markiert. Die Autos warten also auf beiden Spuren. Gefährlich wird dies auf dem Abschnitt vor mit dem breiten Fussgängerstreifen: ab hier gibt es nur noch eine Spur, in welche Busse und Autos mittels Lichtsignale wohl unterschiedlich eingelassen werden. Noch immer versuchen die meisten Autos, hier zweispurig zu fahren. Auf der andern Strassenseite sind mehrere Verkehrsdienst-Leute damit beschäftigt, die Fussgänger zurückzuhalten, die trotz Rotlicht die Strasse überqueren wollen. Nach der Linkskurve vor dem Schweizerhof wird es wieder zweispurig und übersichtlich. Der Bahnhofplatz ist wieder offen - juhuu!

Was mich jetzt aber noch stört, ist folgendes:

- Der breite Fussgängerstreifen vor dem Bahnhofgebäude hat keine Mittelinsel, auch keine aufgemalte. Die gelben Streifen führen ununterbrochen von der einen zur andern Seite. Dies ist sehr schlecht gelöst. Ältere Fussgänger, welche die Strasse nicht in einem Anlauf überqueren können, müssen inmitten der Strasse warten, während vorne und hinten Autos vorbeifahren. Sehr unangenehm, und definitiv ein Planungsfehler.

- Die Christoffelunterführung ist nach wie vor geschlossen. Sie wird erst in knapp zwei Monaten eröffnet. Bis dahin müssen sämtliche Pendler die Strasse überqueren. Am heutigen Sonntag ist dies kein Problem, wird es ab Montag aber sicher sein. Ich erwarte grosse Menschenmassen und ein riesiges Gedränge auf dem Fussgängerstreifen. Und damit auch haufenweise Unmut. Unmut, welcher dem grünen Ruf nach einem autofreien Bahnhofplatz (die Unterschriftensammlung ist gestartet) noch weiter Vortrieb geben werden. Versucht hier die Stadtverwaltung vorsätzlich, den Missmut der Bevölkerung gegenüber den Autofahrern auf dem Bahnhofplatz zu verstärken? Absolut denkbar.

Im Bahnhof drin dann noch eine freudige Überraschung: Die Zufahrt zum Kurzparking von Osten her ist wieder geöffnet, der Umweg mit U-Turn hinter der West-Zufahrt, an die sich viele nicht gehalten haben, ist nicht mehr nötig.

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