Ja zum Bärenparking
Die Idee des privaten Initiativkommitee Bärenparking ist genial: Im Berg zwischen dem Klösterlistutz und dem Aargauerstalden soll ein Parkhaus entstehen, dessen 300 unterirdische Parkplätze die bisherigen Parkplätze am Klösterlistutz, vis-à -vis des Bärengrabens, ersetzen. Der Klösterlistutz würde damit zur autofreien, grünen Erholungszone werden.

In der Dokumentation des Initiativkommitee ist zu lesen, dass als Option auch ein Lift zum Rosengarten möglich ist. Dies ist eine sehr gute Nachricht für all diejenigen, welchen der steile Fussweg Probleme bereitet.
Doch komischerweise scheint die Initiative viele Gegner aus dem Umfeld der Grünen und der SP zu haben. Dies ist insofern unverständlich, als es ja genau jene Leute sind, die überall “autofrei!” schreien und verlangen. Dass sie nun aber genau dies verhindern wollen, ist für mich nicht nachvollziehbar.
In zahlreichen negativen Leserbriefen beschwerten sich die Leute über das Vorhaben. Der grüne Stadtrat Urs Frieden behauptet zum Beispiel, dass das Bärenparking Mehrverkehr bringe und die Autos ins Zentrum von Bern ziehe - quer durch viele Quartiere, nicht zuletzt auch durchs Nordquartier, das schon jetzt klar überlastet sei. Andere meinen einfach, dass der autofreie Klösterlistutz nie so grün und fröhlich aussehen werde wie auf dem Plakat. Hannes Meuli, Co-Präsident der VCS-Regionalgruppe Bern behauptet sogar, dass die Initianten einzig 1′000 zusätzliche Parkplätze wollen. Die Initiative sei eine Mogelpackung. Und, dass beim Bau eine Tropfsteinhöhle verschwinden würde, von der aber kaum jemand weiss.
Doch all diese Argumente der Gegner sind schwach. Dieses Parkhaus zieht keine zusätzlichen Autofahrer an, sondern hilft mit, die Autos ohne langes Parkplatzsuchen (der so genannte “Suchverkehr”) und für Touristen unsichtbar unterzubringen. Und auch die Anzahl Wohnquartiere, welche zum Erreichen des Bärenparking durchquert werden müssen, hält sich stark in Grenzen. So gibt es an der Papiermühlestrasse, welche den Bärengraben mit der nächstgelegenen Autobahnausfahrt Bern-Wankdorf verbindet, kaum Wohnhäuser, und sowieso ist man sich dort an den vielen Verkehr gewöhnt.
Viele Gegner beziehen sich auch auf den “Verkehrskompromiss”, welcher im 1997 im Rahmen einer Volksabstimmung beschlossen wurde, und aus welchem vermutlich Art. 64 Abs. 4 der Bauordnung der Stadt Bern hervorgegangen ist. Diese Regelung besagt, dass bei der Erstellung von selbständigen Parkierungsanlagen (gemeint sind wohl: eigenständige Parkhäuser) ebensoviele Parkplätze im Stadtgebiet aufgehoben werden müssen. Dies mag zwar so im Gesetz stehen, jedoch ist eine solche Regelung höchst fragwürdig. Denn genauso hätte man vor zehn Jahren ein Gesetz erlassen können, dass die Einwohnerzahl der Schweiz auf dem damaligen Stand begrenzt hätte. Beides wäre bzw. ist absolut realitätsfremd. Die Fortentwicklung der Stadt als (erwünschter!) Wirtschaftsschwerpunkt und (erwünschter!) Tourismusmagnet und das Verhältnis der Anzahl Autos pro Einwohner in der Schweiz lässt sich dadurch trotz allem nicht aufhalten.
Und genau diese Entwicklung wollte man damals halt nicht wahrhaben bzw. hatte sie verkannt. Hatte eine Familie früher keins oder höchstens ein Auto, bringt sie es heute auf wesentlich mehr. Auch bei unserer fünfköpfigen Familie wuchs die Autozahl mit zunehmendem Alter der Kinder auf vier an, wobei meine Eltern nach unserem Auszug und dem Kauf eines Wochenend-Cabrios zu zweit nun drei Autos besitzen. Dies führte dann zum selben Parkplatz-Problem, unter dem auch die Stadt Bern (und viele andere Städte) leidet. Denn das Einfamilienhaus meiner Eltern stammte ebenfalls noch aus der “damals”-Zeit und verfügt nur über einen einzigen Garagenplatz. So musste eine Ecke Land des Nachbars dazugekauft und ein Teil des Gartens geopfert werden, um alle Autos unterbringen zu können.
Damit dies nicht auch in Bern nötig wird, sind solche private Initiativen zur Schaffung weiterer unterirdischer Parkiermöglichkeiten und die Begrünung der ehemaligen oberirdischer Parkplätze auf jeden Fall zu befürworten.
Ebenso dringend sollte aber auch eine Initiative gestartet werden, um den schon lange veralteten Passus aus der Berner Bauordnung zu streichen.
Ich werde am 1. Juni 2008 ein klares Ja zum Bärenparking in die Urne legen.
Infos zum Bärenparking unter www.baerenparking.ch


Leider scheiterte die Initiative dann doch an der Engstirnigkeit der Stimmbevölkerung.