Autofahren in den USA

In Amerika fĂ€hrt man anders als in der Schweiz. Das kann fĂŒr uns EuropĂ€er fremd wirken und MissverstĂ€ndnissen fĂŒhren, wenn nicht sogar zu gefĂ€hrlichen Situationen oder zumindest bösen Worten. Mein Wissen aus mehreren Amerika-Reisen gebe ich gerne an alle weiter, die auch mal in den USA fahren möchten:

  • An Kreuzungen darf man trotz Rot nach rechts abbiegen. Dies gilt immer dann, wenn es nicht explizit untersagt ist (“no turn on red”). Das hĂ€lt den Verkehrsfluss geschmeidiger.
  • An Kreuzungen innerorts haben vielfach alle ein Stopschild (“4 way stop” steht als Hinweis unter dem Schild). Hier gilt nicht Rechtsvortritt sondern der hat Vortritt, der zuerst an der Kreuzung eintrifft. Das ist irgendwie gerechter als in der Schweiz.
  • Auf der Autobahn und auch auf mehrspurigen Strassen fĂ€hrt man auf der Spur, auf der man gerade will. Man darf auf allen Spuren ĂŒberholen, also auch rechts. Das ist dann meist auch nicht ein eigentliches Überholen, sondern man fĂ€hrt einfach auf den einzelnen Spuren aneinander vorbei. Sowieso gibt es kaum grosse Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Autos. Alle fahren mit Tempomat und damit sehr regelmĂ€ssig. Das ist viel besser als in der Schweiz, wo alle auf der linken Spur hocken und es trotzdem nicht vorwĂ€rts geht, wĂ€hrend rechts riesige LĂŒcken bestehen. Und wo man sich strafbar macht, wenn man den ewigen Linkslangsamfahrer trotz freier Autobahn mit der Lichthupe darauf hinweist, doch bitte auf die rechte Spur zu wechseln, oder auch wenn man ihn rechts ĂŒberholt, wenn er trotz allem partout links bleibt.
  • Wenn innerorts die Strasse nicht richtungsgetrennt ist (d.h. keine GrĂŒnflĂ€che oder gar HĂ€user dazwischen hat), hat sie in der Mitte meist eine zusĂ€tzliche Spur (die Strasse ist damit dann in der Regel 5-spurig), die einzig dem Abbiegen und EinfĂ€deln dient. Auf diese fĂ€hrt, wer nach links abbiegen möchte, und verlangsamt erst hier. Damit fliesst der Verkehr dahinter ganz normal weiter. Auch beim Einbiegen auf diese Strasse fĂ€hrt man als erstes auf diese Spur, beschleunigt, und fĂ€delt in den Verkehr ein. So kann man schneller in die Strasse einbiegen und muss nicht warten, Bis wirklich von ĂŒberall her kein Auto mehr kommt.
  • Bei richtungsgetrennten Strassen kann man eigentlich ĂŒberall wenden, wenn man am Ziel vorbeigefahren ist. Dazu kann man U-Turns machen, solange diese nicht verboten sind. Die Strassen sind problemlos breit genug dafĂŒr. Das in Amerika gegen diese U-Turns erfundene Verbotsschild kennt mittlerweile auch die Schweiz, auch wenn es fast nirgends in Gebrauch ist.
  • Dass amerikanische Autos keinen orangen Blinker kennen, sieht man bei uns ab und zu bei aus den USA importierten Autos. Sie besitzen hinten links und rechts hĂ€ufig nur je ein (Abblend-) Licht, das gleichzeitig Bremslicht und Blinker ist. Zur besseren Unterscheidung gibt es daneben ein drittes, meist ein wenig erhöhtes Bremslicht, wie wir es mittlerweile auch in Europa kennen. Dieses sieht man dann auch von weiter hinten z.B. im Kolonnenverkehr oder am Lichtsignal und kann so vorausschauender fahren. Daher ist es unverstĂ€ndlich, wieso diese dritten Bremslichter in der Schweiz lange verboten waren, wie ich von meinem Schwager, einem ehemaligen Polizisten, weiss.
  • Apropos Polizisten: Wenn man mal von einem solchen angehalten wird, muss man vorsichtig sein: bloss keine falsche Bewegung machen. Rausfahren, Scheibe runter, Motor aus, HĂ€nde gut sichtbar aufs Steuerrad, der Beifahrer aufs Armaturenbrett. Und machen, was der Polizist sagt.
  • Und zu guter Letzt: Man fĂ€hrt nicht wie in der Schweiz alle gegen alle, sondern eher alle miteinander. Man lĂ€sst also auch mal andere hinein und nimmt generell auf andere Verkehrsteilnehmer RĂŒcksicht.

Gute Fahrt!

20120518-223610.jpg

Leave a Reply

 

Autofahrerblog.ch Autofahrerblog.ch
Autofahrerblog.ch