Autoreise nach England (1): Von Bern nach Calais

Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein, anstehen für Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrolle, Verspätung beim Abflug und Warteschlaufe vor dem Landen – das nervt. Deshalb fahren wir dieses Jahr mit dem Auto nach England.

Pressant haben wir’s nicht. Denn am ersten Tag wollen wir nur bis Calais im Norden Frankreichs fahren. Von dort werden wir am nächsten Tag mit der Fähre den Ă„rmelkanal ĂĽberqueren. Kurz vor Mittag ist das Auto gepackt, inklusive Leuchtwesten und ErsatzglĂĽhbirnen, die in Frankreich bzw. England vorgeschrieben sind, und – was ich einfach gerne dabei habe – ĂśberbrĂĽckungskabel, Abschleppseil, Batterieladegerät fĂĽr die Autobatterie.

Wir fahren Richtung Basel, wo wir die Grenze zu Frankreich ĂĽberqueren. Trotz Berner Autonummer ist das kein Problem. Die TomTom-App auf meinem iPhone, das in der TomTom-Halterung auf dem Armaturenbrett festgemacht ist, gibt ĂĽber die Autolautsprecher gute Anweisungen, wie man welche Autobahnverzweigung nehmen muss. DarĂĽber werden wir vor allem in Frankreich und England noch froh sein, wo wir die Strecke nicht kennen.

Von Basel her fahren wir Richtung Mulhouse und Colmar. Danach werden die Strassen irgendwie immer kleiner, auf die uns TomTom führt. Die Autobahn mit 130 km/h Höchstgeschwindigkeit weicht einer Autostrasse mit 110 km/h, die wiederum einer Ausserortsstrecke mit 90 km/h Platz macht. Die Strasse wird immer kurviger und bergiger. Zwar zweifeln wir immer mehr daran, noch auf dem richtigen Weg zu sein. Doch das ist Absicht: Schon bald erreichen wir den Maurice-Lemaire-Tunnel, den längsten Strassentunnel Frankreichs. Der fast sieben Kilometer lange Tunnel erspart uns die Fahrt über die Vogesen. Hier bezahlen wir zum ersten Mal eine Maut-Gebühr. Diese existiert in Frankreich und England anstelle einer Autobahnvignette.

Bald darauf werden die Strassen wieder breiter. Wir fahren auf der Autobahn weiter Richtung Reims und machen einen Halt. Der zeigt: Frankreichs Autobahnraststätten sind wenn immer möglich zu meiden. Auf dem Toiletten fehlen Klobrillen, so dass man bzw. frau sich direkt auf die kalte Schüssel setzen muss – kein sehr schönes Erlebnis.

Wir fahren schnell in nordwestlicher Richtung weiter und treffen am Abend in Calais ein. Hier haben wir im Ibis Calais Tunnel sous la Manche ein Zimmer reserviert. Dieses ist eiskalt – Franzosen scheinen das Konzept “Heizung” noch nicht zu kennen. Da gehen wir lieber ins Hotel-eigene Restaurant. Und sind positiv ĂĽberrascht: Das Vorspeise-Buffet und die Hauptspeisen sind unerwartet Gourmet-verdächtig. Mit dem dicken Pulli an legen wir uns danach schlafen.

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