Autoreise nach England (6): Durch den Eurotunnel von Folkestone nach Calais

Nach vier Tagen in London verlassen wir die Stadt wieder auf dem selben Weg, wie wir gekommen sind. Denn wir machen nochmals einen kurzen Abstecher ins Bluewater Einkaufszentrum, bevor wir die Insel verlassen.

Folkestone ist schon von weit her ausgeschildert. Von hier aus fährt der Zug (”le Shuttle”) durch den Eurotunnel nach Frankreich. Nach der Autofähre auf der Hinfahrt sind wir sehr darauf gespannt. Und auch hier verläuft alles vollautomatisch und hochprofessionell. Bei der Einfahrt wird unser Autokennzeichen erfasst und der Computer ruft unsere Buchung auf. Dass wir fast zwei Stunden später sind als geplant ist kein Problem. Die Betreiber rechnen damit, dass man sich verspätet, und man kann bis zu zwei Stunden später ohne Aufpreis erscheinen. Eine ZusatzgebĂĽhr ist nur fällig, wenn man viel später auftaucht.

Auf dem Anhänger für den Innenrückspiegel, der vom Computer ausgedruckt wird, sind unsere Reisedaten und die genaue Wartespur notiert. Wir fahren zum Wartebereich, der mit Café, Kiosk und Toiletten ausgestattet ist. Auf einer grossen Anzeigetafel steht, ob man noch hier warten muss oder bereits zum Zug fahren darf.

Eine Viertelstunde vor der Abfahrt wird unser Zug dann aufgerufen. Wir folgen dem Schild “France” und werden nochmals von Kameras erfasst. Der Computer weiss nun also, dass wir auf dem Weg zum Zug sind. Wir fahren auf unsere Wartespur und stehen da, bis sich die Barriere öffnet und das Lichtsignal von rot auf grĂĽn wechselt. Dann fahren wir die lange Rampe empor und ĂĽber eine noch längere ĂśberfĂĽhrung. Ein Leuchtpfeil zeigt an, welche Abfahrt wir nehmen mĂĽssen. Es ist ein lustiges GefĂĽhl, mit dem Auto aufs Perron zu fahren. Dort wartet bereits der Zug.

Nach kurzem Halt ist es soweit. Über das seitliche Tor am hinteren Ende des Zugs fahren wir praktisch stufenlos in den Zug hinein. Im Gegensatz zur Fähre ist der Zug also auch für tiefergelegte Fahrzeuge geeignet. Der Zug ist innen in der ganzen Länge offen. Kein Wunder, dass es fast zwei Minuten dauert, bis wir ganz vorne ankommen – wir sind die vordersten. Vor uns schliessen sich zwei seitliche Türen, die gleichzeitig die Führung für ein Rolltor sind, das sich nun von oben senkt. Dasselbe geschieht nun zwischen jedem der Waggons. So können die Passagiere im Falle eines Brandes rasch durch die Türen innerhalb der seitlichen Türen (das hört sich nur kompliziert an, ist es aber nicht) in den nächsten Wagen flüchten. So ist es auch vom Sicherheitsdispositiv an der Zugwand vorgesehen.

Es ist absolut erlaubt, während der Fahrt auszusteigen, nur nicht, zwischen den Autos hindurchzugehen. Links und rechts der Autos hat es rund einen halben Meter Platz. Es gibt hier sogar Toiletten. Durch winzige Fensterchen schauen wir hinaus, während sich der Zug völlig lautlos in Bewegung setzt. Er beschleunigt weiter, ohne jegliches Ruckeln oder Schaukeln. Schon bald ist ein Erdwall zu sehen, der immer höher wird – wir nähern uns dem Tunneleingang. Dann wird es draussen dunkel. Mit bis zu 160 km/h braust der Zug die 50 km lange Strecke unter dem Ärmelkanal hindurch. Die Fahrt vergeht viel zu schnell. Nach knapp 30 Minuten kommen wir in Frankreich wieder an die Erdoberfläche.

Doch es dauert noch ein paar Minuten, bis der Zug am Zielbahnhof wieder zum Stehen kommt. Das Rolltor und die seitlichen Türen öffnen sich, ebenso ein weiteres seitliches Tor am vorderen Ende des Zugs. Schon können wir wieder hinausfahren. Auf die Rampe hinauf, über die anderen Geleise, und schon sind wir auf der französischen Autobahn.

Die Fahrt hat uns 63 Pfund (rund 95 Franken) gekostet. Damit ist der Zug zwar teurer als die Fähre, aber auch wesentlich schneller. Jaja, Zeit ist bekanntlich Geld. Obwohl wir beide Varianten sehr empfehlen können, werden wir nächstes Mal wohl für beide Wege den Zug nehmen.

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